E-Auto Prämie nun selbst in Anspruch genommen – Achtung könnte wieder persönliche Meinung enthalten

2019 habe ich diesen doch recht kritischen Artikel zum Thema Elektroautoförderung geschrieben ->Klick

Seit dem hat sich viel getan und ich habe meine Meinung nicht grundsätzlich geändert. Allerdings kann ich nun aus eigener Erfahrung etwas zum Thema Elektroauto schreiben. Denn seit Januar 2021 steht bei uns nun eines auf dem Hof. Dies hatte ich auch damals nicht ausgeschlossen. Es ging nur etwas früher los als gedacht.

Den Anstoß gaben mehrere Faktoren. Zum einen die E-Auto Prämie von 6.100€ und die 2020 eingeführte Förderung für Wallboxen von 900€. Auch habe ich noch ein Angebot meines Arbeitgebers bekommen. Und schon ist das ganze gar nicht mehr so teuer wie gedacht. Da unsere Garage und das Carport eh elektrifiziert werden sollten dachte ich mir, dann nehm ich die Förderung noch mit. Ich weiß, das klingt egoistisch und geht auf Kosten der Allgemeinheit. Das tun andere Klimaschutzmaßnahmen wie Gebäudesanierung aber auch. Warum ich das Elektroauto in meinem persönlichen Fall für einen Beitrag zum Klimaschutz halte werde ich noch erläutern.

Ein großer Faktor war auf jeden Fall auch die Tatsache, dass wir seit September 2019 unsere eigene PV-Anlage auf dem Hausdach hatten. Bei der derzeitigen Eispeisevergütung liegt es somit auch nahe, seinen erzeugten Strom lieber selbst zu verbrauchen.

Aber der Reihe nach:

Kosten

2019 habe ich mal meinen Kia Picanto einer Renault ZOE gegenübergestellt. Generell ist das Elektroauto immer noch teurer, aber die Kosten haben sich etwas verschoben (in rot die Änderungen ggü 2019). Nebenbei hatte ich auch die Spritkosten des Kia falsch ausgerechnet. Hat keiner gemerkt ;). Ich gehe nun von 10.000 km/a aus, weil mein Batteriemietvertrag auch so läuft:

  • Kia Picanto 1,0
  • Kaufpreis: 10.000€
  • Steuern/a: 80€
  • Verbrauch: 5,2 l/100 km -> 5,0 x 1,54€ = 7,7€ / 100 km -> 2,310€ / 36 Monate
  • Wartung: 10.000 k/ 1 x pro Jahr: 250 €/a -> 750 / 36 Monate

-> Für 36 Monate: 13.060

Das meistverkauft Elektroauto in Deutschland und auch vergleichbar mit dem Kia:

  • Renault Zoe R110 Z.E. 50
  • Kaufpreis: 18.100€ + 82€ Batteriemiete (2952€/36 Monate) – 6100€ Kaufprämie: 14.950
  • Steuern: 0€
  • Verbrauch: 15,3 KWh/100 km (Katalogwert nach WLTP Eigener ermittelter Wert)
    • Annahme: Zuhause geladen. Davon 50% Solar, 50% Netz -> Durchschnittlich 20Cent / KWh (30Cent KWh Netzstrom + 10Cent KWh nicht bekommene Einspeisevergütung /2) -> 3,06€/ 100 km
    • -> 918€ / 36 Monate
    • Im besten Fall 0€ wenn man immer öffentlich umsonst lädt (gibt es eigentlich nicht mehr)
  • Wartung: 10.000 k/ 1 x pro Jahr: 150 €/a -> 450 / 36 Monate

-> Für 36 Monate: 16.318

 

Die Renault ZOE ist somit nach 3 Jahren und 10.000km /a lediglich 3,258 € teurer als der Kia. 2019 hatte ich mit den alten Annahmen noch über 5000€ ausgerechnet. Nicht berücksichtigt ist die bereits in der Basisversion der ZOE enthaltene viel bessere Ausstattung. Gegenüber dem Kia (der ja auch ein Kleinstwagen ist. Die ZOE eher Polo Klasse) hat der Renault folgende Mehrausstattung: Voll Digital Cockpit, Multimedia Display, DAB+ Radio, Keyless go, Automatikgetriebe (bedingt durch den E-Antrieb), Standheizung/Kühlung. Dafür hinten nur Kurbelfenster ;).

Die Wallbox könnte man noch dazurechnen. Diese ist ja aber nicht exclusiv nur für dieses erste E-Auto und kann danach weiterbenutzt werden.

Umwelt

Ich weiß, dass hier echte Grabenkämpfe stattfinden. Ich will dazu gar nicht so viel schreiben und euch dieses Video von Dr.Whatson ans Herz legen: (4) Die Wahrheit über Elektroautos – YouTube

Nur ein paar Fakten:

  • Auch Verbrennerautos wachsen nicht auf Bäumen und erzeugen CO2 bei der Herstellung
  • Auch in Verbrennerautos sind seltene Erden versteckt. In den Akkus der E-Autos sind übrigens KEINE seltenen Erden enthalten)
  • Ein neues Auto schleppt immer einen CO2 Rucksack mit sich herum
  • Dieser ist beim Elektroauto deutlich größer

So nun aber zu meiner persönlichen Situation.

Bezogen auf die Nutzung eines Elektroautos wohne ich ideal. Ländlich in Schleswig Holstein mit eigener Solarstrom Anlage auf dem Dach. Dazu ein Zitat von www.schleswig-holstein.de:

 

 

Also selbst wenn man komplett ohne PV-Anlage lädt, ist der erneuerbare Anteil schon jetzt sehr hoch. Gehen wir jedoch mal von gesamtdeutschen Ökostrommix aus, der sich seit 2019 auch bereits verbessert hat:

Der Ökostrommix in Deutschland wird mit 0,421 0,401g CO2 / KWh angenommen. Demnach würde unser Auto also 0,401 g/KWh x 15,3 KWh / 100 km x 30.000km = 1841 kg CO2 emittieren. Bei 50% Solarstrom dann nur noch 920 kg.

Der Benzin Kia wird in den 3 Jahren 3,720 kg CO2 emittieren (5,2 l/100 km x 23,8 = 124 g/km. 124 g CO2/km x 30.000 km)

Im Jahr 2030 soll Schleswig-Holsteins Strommix 100% Klimaneutral sein. Aber selbst so spart das Elektroauto pro Jahr  933kg CO2 ein. Dabei ist nur die direkte CO2 Emission eingerechnet. Die Förderung, Herstellung und der Transport fossiler Brennstoffe erzeugen natürlich auch noch einma CO2 obendrauf.

Das schwedische Institut IVL gibt an, dass die Akkuherstellung mittlerweile 61 – 106 kg CO2/kWh benötigt. 2017 lag dieser Wert noch bei 150 – 200 kg/KWh (Quelle: www.energie-experten.ch). Nimmt man nun an, dass dieser Durchschnittwert (61+106 / 2) von 114 kg/kWh und auch der Strommix konstant bleiben, wäre der CO2 Rucksack meines Auto mit einer 52kWh Batterie nach 6,4 Jahren getilgt und man wäre in der „Gewinnzone“ (Die Eindhoven University geht übrigens von durchschnittlich 65 kg/kWh aus). Aber da sich beide Werte kontinuiertlich verbessern, wird dies früher der Fall sein. Der Verbrenner wird bis zum Ende seiner Nutzungszeit weiterhin CO2 (und andere Schadstoffe) emittieren. Zudem ist mein „persönlicher Strommix“ jetzt schon deutlich besser als der Gesamtdeutsche.

Natürlich ist die Akkuherstellung problematisch. Auch hier lege ich euch wieder das oben verlinkte Video nahe. Kobalt wird schon seit Jahrzehnten unter prekären Umständen abgebaut. Und bei den Milliarden von Smartphone Akkus die im Umlauf sind hat noch nie jemand den grünen Zeigefinger erhoben. Denn es hat ja jeder eines oder mehrere 😉

Fazit

  • In unserer persönlichen Situation ergibt das Elektroauto absolut Sinn. Klar ist es nicht das Allheilmittel und wie immer wird sich ein Mittelweg finden müssen. In den Ballungräumen geht es nur mit insgesamt weniger Autos (egal wie angetrieben) und mit besserem ÖPNV und besserer Radinfrastruktur.
  • Das Elektroauto ist absolut Alltagstauglich. Auf dem Land ist die Ladesituation einfach super entspannt. Nach Hause kommen, Anstecken und in ein paar Stunden ist das Auto Wieder voll. Bei unserer derzeitigen Durchschnittsstrecke ist das einmal die Woche.
  • Es gibt keine Reichweitenprobleme. Je nach Jahreszeit sind 280 bis 330 km drin. Bei unserer (ich behaupte mal ziemlich typischen) Kleinwagennutzung (Einkaufen, Kindergarten, Arbeitsweg usw) reicht die Füllung also mehrere Tage. Außerdem entfällt der nervige Tankstopp. Zuhause dauert das Ein- und Ausstecken 10 Sekunden.
  • Es ist schade, dass die deutschen Hersteller immernoch schlafen. Ich finde Renault hat mit der ZOE echte Pionierarbeit geleistet und ein tolles Paket geschnürt.
  • Es fährt sich einfach sooo gut. Kein Verbrenner mit einem noch so tollen automatischen Getriebe kann da mithalten. Leise, smooth und kraftvoll bei gerade einmal 80kW Spitzenleistung.

Zum Schluss

Leben und leben lassen. Wer ein E-Auto kauft muss sich immer irgendwie rechfertigen. Fast wie bei nem Thermomix 😉 Ich diskutiere gerne. Aber sobald jemand anfängt mit den schlimmen Akkus und den ständig abbrennenden E-Autos und überhaput Körnerfresser und so… Da verliere ich die Geduld. Speziell wenn mehrmals im Jahr in den Urlaub geflogen wird und der/diejenige sich beim Autokauf vorher noch nie Gedanken über Umweltaspekte gemacht hat.

Übrigens liegt der durchschnittliche Neuwagenpreis 2020 bei 36.340€ (Quelle: Statista.de). Da kann man bei den nun erhältlichen günstigen E-Autos wie Renault ZOE, Hyundai Kona/Ioniq, Dacia Spring nicht mehr wirklich von einem „Reichenspielzeug“ reden. Selbst ohne Förderung.

Lasst euch drauf ein oder lehnt es eben ab. Eure Entscheidung. Kommt gerne vorbei und probiert es selbst aus.

 

E-Auto Prämie verlängert – Achtung könnte persönliche Meinung enthalten

Seit gestern ist es offiziell: Die E-Auto Kaufprämie wird bis 2025 verlängert und aufgestockt -> KLICK.

Ich will das E-Auto gar nicht bashen. Auch ich könnte mir vorstellen beim nächsten Autokauf auf E umzusteigen. Einigermaßen Bezahlbare Alternativen gibt es ja mittlerweile. Renault ZOE, Nissan Leaf, Hyundai Ioniq und Kona… um nur ein paar Bespiele zu nennen (Ja, bewusst sind hier keine deutschen Hersteller genannt. Denen gebührt hier nämlich wie so oft keine Ehre was diese Entwicklungen angeht). Es gibt für diese Autos bis 40.000€ nun also 6.000€ Kaufprämie.

Klingt ja gut. Ich habe zudem den Vorteil ländlich zu wohnen und eine Photovoltaik Anlage auf meinem Haus zu haben. Und da beginne ich zu grübeln. Sollte nicht die Luft in den Städten verbessert werden? Wer kann denn in der Großstadt sein Auto vor der Haustür laden. Ganz davon abgesehen, dass ein E-Auto genau so viel Platz wegnimmt wie ein Verbrenner… Wäre es für Ballungszentren nicht sinnvoller mit den 3 Milliarden Euro (!) die in die Ladeinfrastruktur investiert werden sollen, den öffentlichen Nahverkehr und die Radinfrastruktur auszubauen? Auch Pendlerparkplätze vor der Stadt würden diese entlasten.

Bleiben die ländlichen Pendler wie ich. Ok, ich fahre nicht in die Großstadt. Aber ich habe 25 km einfachen Arbeitsweg. Ich könnte mein E-Auto zumindest im Sommer zuhause völlig CO2 frei laden. Mit meiner Photovoltaikanlage bei der ich gerade einmal noch 10 Cent/KWh Einspeisevergütung bekomme. Ist also schon eher Idealismus als Wirtschaftlichkeit. Es kann ja nicht sein, dass plötzlich jeder seinen eigenen Ökostrom herstellt. Also wird das mal gedeckelt. Nicht, dass die armen Energiekonzerne noch pleite gehen.

Nebenbei war ich mal bei einem Windkraftanlagenhersteller beschäftigt der nun Insolvent ist. Unter anderem weil der Ausbau der Windkraft an Land, Offshore sowie der Netze nicht vorangeht. Womit sollen die geplanten Millionen E-Autos denn geladen werden. Mit Französischem Atomstrom (immerhin CO2 frei)? mit deutschem Kohlestrom?

Und hier noch einmal ein persönliches Rechenbeispiel. Angenommen wir ersetzen unseren derzeitigen Kleinstwagen durch einen günstigen E-Wagen. 3 Jahre Haltedauer bei 15.000km/a

Derzeitiges Auto:

  • Kia Picanto 1,0
  • Kaufpreis: 10.000€
  • Steuern/a: 80€
  • Verbrauch: 5,0 l/100 km -> 5,0 x 1,50€ = 7,5€ / 100 km -> 3.375€ / 36 Monate

-> Für 36 Monate: 13.615 €

Das meistverkauft Elektroauto in Deutschland und auch vergleichbar mit dem Kia:

  • Renault Zoe R110 Z.E. 40
  • Kaufpreis: 21.900€ + 74€ Batteriemiete (2664€/36 Monate) – 6000€ Kaufprämie: 18.654€
  • Steuern: 0€
  • Verbrauch: 17,2 KWh/100 km (Katalogwert nach WLTP)
    • Annahme: Zuhause geladen. Davon 50% Solar, 50% Netz -> Durchschnittlich 20Cent / KWh (30Cent KWh Netzstrom + 10Cent KWh nicht bekommene Einspeisevergütung /2) -> 3,44€/ 100 km
    • -> 1548€ / 36 Monate
    • Im besten Fall 0€ wenn man immer öffentlich umsonst lädt.

-> Für 36 Monate: 18.654 €

Das E-Auto ist selbst im besten Fall 5000€ teurer in 3 Jahren. Hier sind Wartung und Versicherung nicht mit eingerechnet. Bei der Wartung wir das E-Auto sicher einen Vorteil haben.

Allerdings emittiert mein Benzin Kia in den 3 Jahren 5.355 kg CO2. (5l/100 km x 23,8 = 119g/km. 119g CO2/km x 45.000 km)

Der Ökostrommix in Deutschland wird mit 0,421g CO2 / KWh angenommen. Macht also 0,421 g/KWh x 17,2 KWh / 100 km x 45.000km = 3258kg. Bei 50% Solarstrom dann nur noch 1629 kg.

Sorry, dass das so kryptisch war. Wie man sieht, muss man auch hier mit viel Idealismus heran gehen. Warum schreibe ich das in einem Fahrradblog? Weil ich zum Beispiel unseren Verkehrsminister gefragt habe, warum mein S-Pedelec zwar alle Nachteile eines Kraftfahrzeugs „genießt“ (Keine Radwegnutzung, keine Anhänger, Spezielle Ersatzteile, keine Mitnahme im ÖPNV..), nicht aber in den Genuss der Förderung für Elektrokraftfahrzeuge kommt. Auf einem Autoparkplatz können 8 bis 10 Fahrräder stehen. Ein S-Pedelec verbraucht ca. 1,5 KWh auf 100 km.

Womit ich wieder bei den obigen Punkten angelangt bin: Verstopfte Städte, Infrastruktur, und EEG Förderung. Aber auch hier muss nun wieder mit Steuergeldern die ach so arme Autoindustrie gerettet werden. Nutznießer werden hier wahrscheinlich wieder nicht die deutschen Hersteller sein, die den E-Auto Trend wieder komplett verschlafen haben. Wie schon bei der Abwrackprämie vor Jahren, waren es vor allem ausländische Hersteller die davon profitiert haben. Sei es ihnen gegönnt.

Für Plug-in Hybride gibt es übrigens 5000€. Obwohl in vielen Tests nachgewiesen wurde, dass ein guter Benziner oder Diesel bei deutlich weniger technischem Aufwand genau so sparsam ist. Außerdem werden hier meiner Meinung nach wieder Leute gefördert, die sich solch ein Auto auch ohne Förderung leisten könnten. Aber das ist eine Andere Geschichte.