Das S-Pedelec und dessen unlogische Einstufung als Kraftfahrzeug

Wie „Speeder´s Corner“ hier beschreibt, hat das S- oder Speed- oder schnelle Pedelec ein großes Potential die Verkehrswende voranzutreiben. Es ist meiner Meinung nach der beste Kompromiss zwischen einem E-Roller (zu ineffizient) und einem Pedelec (zu langsam für weitere Strecken). Man ist schnell unterwegs und tut trotzdem was für seine Gesundheit.

Achso. Wer gar nicht weiß was ein S-Pedelec sein soll. Hier ein paar Infos. Es ist keine Schande das in Deutschland nicht zu wissen, da diese tollen Fahrzeuge hier nur in homöpatischen Dosen existieren.

Das liegt sicherlich zum einen am Kaufpreis. Es geht mit „Schnäppchen“ für 3000€ los, das meiste tummelt sich bei 5- 6000€ herum und geht bis über 10.000€!! WTF? Daran sieht man schon, dass man eine gewisse Affinität zum Thema braucht. Wenn man das S-Pedelec aber als ernstzunehmendes Fahrzeug wahrnimmt und nicht als teures Freizeitgerät, dann sieht das schon anders aus. Sicher, ein E-Roller ist billiger. Aber darum geht es ja nicht. Man entscheidet sich ja bewusst für das Mitarbeiten. Wenn das S-Pedelec vielleicht sogar einen Zweitwagen ersetzt, sieht das ganze nämlich nicht mehr ganz so duster aus.

Warum sind oft identisch aussehende S-Pedelecs so viel teurer als ihre 25km/h fahrenden Geschwister? Weil sie in D und auch sonst in Europa als Kraftfahrzeug gelten. Vergleichbar mit einem normalen Motorroller. Das bedeutet für die Hersteller einiges an Aufwand um eine Zulassung für den öffentlichen Straßenverkehr zu erlangen.

Da liegt speziell in Deutschland auch sicher der zweite Grund für die geringe Verbreitung dieser Gattung. Das S-Pedelec wird als Kraftfahrzeug gesehen. Und das bedeutet:

  • Helmpflicht: Für mich kein Nachteil. Ich denke jeder ersthafte Radpendler fährt sowieso mit Helm. Und wenn nur als Wetterschutz ;). Die Art des Helmes ist aber in Deutschland irgendwie unklar. Ganz streng genommen müsste man einen Motorradhelm tragen (Kraftfahrzeug). Die Niederlande sind hier weiter und haben eine spezielle Norm geschaffen. Die NTA 8776. Hier auch Infos dazu.
  • Kennzeichenpflicht: Genau wie beim Mofa oder Roller ist jedes Jahr eine neues Versicherungskennzeichen fällig. Dieses kostet zwischen 50 und 120€ / Jahr. Je nach Anbieter und Leistungsumfang. Im Vergleich zu einer Fahrradversicherung für in Rad mit diesem Wert ist das aber ziemlich günstig.
  • Keine Radwege erlaubt! Ich denke das ist der größte Abschrecker. Ich habe Glück und fahre viel auf kleinen Nebenstraßen. Aber ist zum Beispiel ein Radweg neben einer Bundesstraße vorhanden, darf man diesen nicht benutzen und muss auf der Fahrbahn fahren! Auch Radschnellwege sind tabu! Mittlerweile fahre ich in der Stadt meist trotzdem auf dem Radweg (mit angepasster Geschwindigkeit) weil ich die brenzligen Situationen und Erziehungsversuche verursacht durch Wutbürger am Steuer leid bin….
  • Keine Mitnahme von S-Pedelecs in Öffentlichen Verkehrmitteln. Für den Gesetzgeber ist das so, als wenn man einen benzingetriebenen Roller mit den in Zug nimmt. Obwohl das S-Pedelec physisch identisch mit einem normalen Pedelec ist….
  • Kein Leasing z.B. als Jobrad möglich. Gerade diese Kategorie hätte doch das größte Potential den einen oder anderen Parkplatz in der Firma freizumachen. Anscheinend machen das einige Firmen. Den meisten ist aber der Verwaltungsaufwand zu groß. Siehe Kommentare weiter unten.

Zusammenfassung und was zum Nachdenken

Warum sollte ein Radweg nicht genutzt werden dürfen? Es wird mit der hohen Geschwindigkeit begründet die für die anderen gefährlich ist. Man könnte ja die Geschwindigkeit mittels Beschilderung beschränken oder generell max 25 km/h auf Radwegen erlauben. Ich ziehe auch gerne das Beispiel des Porsche (oder jedes anderen PKW) heran der ja auch 300 km/h fahren KÖNNTE, aber trotzem in die 30 Zone darf. Dem Autofahrer wird zugetraut, dass er sich entsprechend verhält. Dem S-Pedelecfahrer nicht. Der muss dann auf eigene Gefahr auf der Straße fahren.

Warum wird das S-Pedelec mit einem 45 km/h Roller gleichgestellt? Wer es schon einmal ausprobiert hat weiß, dass man sich schon gehörig anstrengen muss um dauerhaft 45 km/h zu fahren. Es ist eine völlig andere Fortbewegung als mit einem Roller. Im Umkehrschluss müssten dann doch für normale Pedelecs auch die Mofa Regeln gelten: Helmpflicht, Versicherungspflicht und nur die Benutzung bestimmter Wege. Es KANN immerhin auch 25 km/h fahren. Und zwar deutlich einfacher als die 45.

Manchmal denke ich, dass der Gesetzgeber diese Kategorie mit Absicht sabotiert. Es gibt hier einige unlogische Regelungen. In der Schweiz ist der Anteil an schnellen Pedlecs deutlich größer. Auch hier gilt Helm- und Zulassungspficht (was ich persönlich nicht als Nachteil sehe). Aber sie genießen zusätzlich sämtlich Fahrradrechte: Radwegbenutzung, Mitnahme im ÖPNV…

Es wäre schön wenn sich hier einiges ändern würde. Danke hier speziell an Speeder´s Corner und den Pedelecmonitor die sich bemühen dieses Thema bekannter zu machen!