Rettet die Umwelt. Und behaltet eure alten Autos!

Mh, ein Autothema im Fahradblog? Ich denke das passt schon. Zum einen sind Radfahrer meiner Erfahrung nach von „Natur aus“ Umweltbewusster.  Zum Anderen sind die meisten Radfahrer die ich kenne zusätzlich auch Autofahrer.

Ich wollte neulich schon etwas schreiben nach dem ich auf DLF eine Gesprächsrunde zum Thema Dieselskandal gehört hatte. Hinterher war ich so sauer, dass es nur um Schadenersatz für die armen Neuwagenkunden ging und ein Aspekt völlig außer acht gelassen wurde: Die Produktion eines Autos verursacht 10-15 Tonnen CO2 (Quelle: Auto Bild). Punkt. Das ist nicht wegzudiskutieren.

Weiter: Ich fahre einen Stinker. Ein Auto über das in der ganzen Diskussion gar nicht mehr gesprochen wird. Einen 27 Jahre alten Mercedes 200D. Wenn in den Medien von „alten“ Autos gesprochen wird, dann von Euro 4 und 5 Dieseln die vielleicht 10 Jahre alt und völlig in Ordnung sind. Diese sollen nun durch „saubere“ Autos ersetzt werden die dann wiederum unter Emission von 10-15 Tonnen CO2 produziert werden müssen. Ich denke spätestens jetzt müsste man merken, dass da was nicht stimmt.

Mal nachgerechnet: 1l Diesel verbrennt (unter anderem) zu 2,64 kg CO2. Und ja, das tut er auch bei ganz neuen Dieseln, weil das nunmal Chemie ist.

Mein Auto hat jetzt 300.000 km gelaufen und verbraucht im Jahresschnitt 6 l / 100 km Also:

  • 6 l / 100 km entsprechen 6000 l / 100.000 km
  • 6000 l x 3 = 18.000 l / 300.000 km
  • 18.000 x 2,64 kg =  47.520 kg oder 47,5 t CO2

So weit so schlecht könnte man denken. Aaaber ein ach so sauberer Euro 6d temp Diesel verbraucht ja auch nicht „Nichts“. Nehmen wir mal ne aktuelle E-Klasse (meiner ist ja der Uropa davon) und gestehen einen Realwert von 5 l / 100 km zu :

  • 5 l / 100 km entsprechen 5000 l / 100.000 km
  • 5000 l x 3 = 15.000 l / 300.000 km
  • 15.000 x 2,64 kg =  39.600 kg oder 39,6 t CO2
  • Plus Ad blue Verbrauch (muss ja auch irgendwo hergestellt werden)

Sind also über 300.000 km gerade mal eine Einsparung von 7,9 t. Das entspricht dann noch nicht einmal der Menge die das Auto bei der Herstellung verursacht hat….

Ups. Ok ich hätte bei 250.000 mal über ein neues Auto nachdenken sollen, wenn es rein um den CO2 Ausstoß geht. Dann wurde aber die Entsorgung oder die Möglichkeit, dass das Auto woanders nur halt nicht in deutschen Ballungsgebieten weiterfährt berücksichtigt. Bis dahin aber ist es absolut sinnvoll einen Gegenstand zu nutzen und nicht grundlos wegzuwerfen.

Klar sind die Abgase eines neuen Autos sauberer. Das will ich nicht beschönigen. Dafür kommt kein Feinstaub aus dem Auspuff.

Ich möchte aber hier die Rad-/Autofahrer zum Nachdenken über unsere Wegwerfgesellschaft anregen. Denn vor allem nützt diese ganze Diskussion der Autoindustrie. Man hätte vielleicht schon vor 20 Jahren anfangen sollen, die autofreundliche Stadt in Frage zu stellen. Mit dem Rad durch die Stadt ist auch schön.

Ich möchte dazu auch noch auf einen Schrauberblog verweisen. Dessen Ersteller wohnt in der Gegend um Mainz und wird direkt betroffen sein: Fusselblog.de

Update : Durch einen Zufall habe ich gerade das Vorwort einer „Oldtimer Praxis“ Ausgabe aus dem Jahr 2000 gelesen. Auch da ging es um auslaufende Katalysatorförderung und dass man doch schnellstmöglich 35 Millionen Stinker gehen neue Autos austauschen müsse wenn es damals nach den Grünen gegangen wäre… Das las ich mal so stehen ..

 

3 Gedanken zu “Rettet die Umwelt. Und behaltet eure alten Autos!

  1. Hallo Martin,

    es geht doch schon lange nicht mehr um CO2, das ist ja das verrückte daran. CO2 ist auf einmal völlig egal! Das sieht man auch daran, dass empfohlen wird, Benziner zu kaufen, obwohl die in der gleichen Fahrzeugklasse sehr viel mehr CO2 ausstoßen. (VW Bus real 9,1l/100km Diesel – als Benziner >13,0l/100km)

    Feinstaub als Übeltäter führte als erstes zum Diesel-Bashing. Doch dann wurde bekannt, dass Benziner ebenfalls Feinstaub über Brems- und Reifenabrieb emittieren – jaha und Elektrofahrzeuge auch.

    Was gibts da noch? NOx – perfekt, hat nur der Diesel.
    Mal sehen, was dann als nächstes kommt?!

    Eine weitere Absurdität ist, wenn ich mit dem vollbesetzten Euro5 Diesel VW Bus, also 7-9 Personen, ab 2019 in die Stadt fahre, mache ich mich strafbar – obwohl es aus Umweltaspekten besser nicht geht.
    Es ist aber andererseits aus juristischer Sicht völlig okay, wenn alle 7-9 Personen mit ihren eigenen Fahrzeugen in die Stadt gurken und dort Mehrverkehr verursachen und durch Parken Flächen verbrauchen?

    Die Ziele „Gesetzeskonform“ und „Umweltfreundlich“ liegen in zwei unterschiedlichen Richtungen.

    Gefällt mir

  2. Das Ganze lenkt herrlich davon ab, dass das Grundproblem ja eher die allgemeine Verkehrspolitik ist. Statt ÖPNV, Fahrradwege oder Güterverkehr auf die Schiene zu fördern, geht es nur um bessere Verkaufszahlen für die Autoindustrie. Der Autoverkehr muss generell weniger werden, da muss man ansetzen.

    Ich fahre einen Passat TDI Euro 3. Der hat jetzt 650.000 km und braucht m Schnitt 5,2-5,4 Liter, je nach Jahreszeit. Kein neues Auto in der Liga braucht deutlich weniger. Und vorallem bin ich noch nie stehen geblieben. Neue Autos in der Qualität gibt es eh nicht mehr. Klar muss man neue Autos möglichst umweltfreundlich bauen, aber solange alte Dinge problemlos funktionieren, sollte man sie auch nutzen. Gerade in der Feinstaubdebatte wird ja völlig vergessen, dass die Entsorgung der Abwrackautos sich ja auch wieder in der Energie und CO2-Bilanz bemerkbar macht. Und falls die Autos im Ausland weiterfahren hauen sie dort NOx raus. Das kanns auch nicht sein.

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